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Psychosen und Thyreoiditis

Dr. ...
Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin
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Psychosen und Thyreoiditis

Warum sind Patienten mit Autoimmun-Thyreoiditis fast ausnahmslos psychisch auffällig?

Abstimmungsergebnis

haben Sie ebenfalls in Ihrer Praxis diese Beobachtung gemacht?

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Diskussion

7 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 103 Ärzte verfolgen diese Diskussion
2 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeine Psychiatrie, Allgemeinmedizin

Diese Hyopthese hann ich nicht teilen. Zu fragen wäre dabei nach der aktuellen SD Funktionslage. Natürlich muß man als Arzt bei Erregungzuständen jeglicher Art, bei Verwirrtheit Manie usw. an eine Hyperthyreose denken. Bei einer Depression schließt man per TSH Bestimmung eine z.B. schwere Hypo!therose aus. Sie sollten Ihre Fragestellung ergänzen durch laborchemische Befunde und eine Schilderung von Begleitumständen etc.

0 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Da kann ich dem Kollegen T.Böhm nur beipflichten, denn die psychische Auffälligkeit kann nur als Folge einer veränderten SD-Funktionslage gesehen werden, da sich initial meist eine Hyperthyreose entwickelt, die sich dann über eine Phase der Euthyreose bis in eine Hypothyreose fortsetz tund oft erst durch eine entsprechend auffällige Symptomatik oder Zufallsbefund zur Abklärung kommt. Abweichend hiervon und meist permanent hyperthyreot stellt sich die Autoimmunthyreoiditis Typ Basedow dar, die dabei durch die Augensymptomatik vielfach einen irritierenden (optischen) Eindruck vermittelt

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Die Frage nach dem "Warum" kann ich auch (noch) nicht beantworten, aber: ES IST SO !! Seit ca. 20 Jahren ärztlicher Tätigkeit ( Allgemeinmedizin ) beobachte ich auch psychisch auffällige Patienten mit Thyreoiditis und Thyreoiditis-Patienten mit psychischen Auffälligkeiten.
Beide Gruppen sind AK-positiv:immer MAK/Anti-TPO positiv,
TRAK wechselhaft, kein Zusammenhang mit der Stoffwechsellage!!
Besonders viele Thyreoiditis-Patienten habe ich in der Psychiatrie und Psychosomatik gesehen. Meine Erfahrungen:
Unter üblicher Therapie mit thyreostatischer Suppression, Hormonsubstitution sowie Radiojodtherapie bei Basedow-Rezidiv konnten zwar Laborparameter beeinflußt werden, aber keine wesentliche psychische Veränderung erzielt werden. ABER: unter Psychotherapie zeigten viele Patienten ( häufig weiblichen Geschlechts ) ohne weitere SD-Therapie im Verlauf nicht nur eine deutliche psychische Verbesserung sondern sogar eine deutliche Verminderung der SD-Antikörper bis zur vollständigen Rückbildung. Als psychische Ursachen wurden psychotherapeutisch u.a. herausgearbeitet:
-- von der Mutter abgelehntes uneheliches Kind (Thyreoiditis im 22. LJ.);
-- Thyreoiditis im 29. LJ. bei Z.n. frühkindlicher psychophysischer und sexueller Traumatisierung durch die Eltern;
-- Beziehungsprobleme; Störungen in der Sozialisation und/oder Individualisation; Häufige Vergesellschaftung mit Depressionen.
Meines Erachtens nach ist die Thyreoiditis nicht (immer) die Ursache einer Depression, sondern vielmehr die körperliche Ausdrucksform der vorbestehenden Depression.
Vielleicht ist ein (großer) Teil der Thyreoiditiden nicht nur autoimmunologisch sondern vielmehr psychosomatisch zu sehen. Bei jeder Thyreoiditis fahnde ich daher auch nach psychischen Ursachen, vor allem bei euthyreoter Stoffwechsellage.

2 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Autoimmunerkrankungen werden nicht von ungefähr auch Autoaggressionskrankheiten genannt, sodaß ein Einfluß der Psyche auf eine Autoimmunthyreoiditis (in dieser Richtung) nicht unwahrscheinlich erscheint und auch von mir in 25 Jahren allgemeinmedizinischer Tätigkeit öfter beobachtet wurde.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Diese Studie hat den Zusammenhang nicht belegen können:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16253615

Immerhin aus Norwegen, da besteht die Hoffnung, daß sie nicht gefälscht ist...

Allerdings sind solche "weichen Zusammenhänge" auch kaum zu erforschen. Wie sollte auch ein passendes Studiendesign aussehen?

Ihre Beobachtungen zur Autoimmun-Thyreoiditis finde ich daher sehr interessant! Das letzte Wort zu diesem Thema ist sicher noch nicht gesprochen. Auch wenn man Ursache und Wirkung nie verwechseln darf, so finde ich es nur legitim sie zu hinterfragen.

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Endokrinologie und Diabetologie

Nachdem ich in meiner früheren Klinik jahrelang in einer spezialisierten Schilddrüsenambulanz gearbeitet habe und insgesamt ca. 1000 Patienten mit Autoimmunthyreopathie behandelt habe, kann ich nur bestätigen, dass grob geschätzt ca. 80% der betroffenen Patienten tatsächlich psychisch auffällig sind, und zwar unabhängig von der Stoffwechsellage.

Warum das so ist, bleibt unklar. Denkbar sind unter anderem folgende Erklärungsmodelle:

a) Die zirkulierenden Antikörper haben auch eine Wirkung auf das ZNS (der von tolk zitierte Artikel spricht dagegen)
b) Die Schilddrüse produziert noch weitere Hormone, die entweder noch unbekannt sind oder deren Wirkung nicht genau bekannt ist (die Loos-Hypothese, dafür spricht, dass kürzlich ein breites Spektrum an Thyronaminen entdeckt wurde)
c) Auch minimale Schwankungen des T4- oder T3-Spiegels im Tagesverlauf (oder Änderungen des Verhältnisses von T4 zu T3) haben eine psychische Wirkung
d) Es gibt eine gemeinsame Ursache (z. B. bestimmte HLA-Typen, mit denen die Hashimoto- oder die Ord-Thyreoiditis assoziiert sind, und die möglicherweise auch für psychische Alterationen prädisponieren).

Natürlich muss zunächst die Stoffwechsellage der Schilddrüsenhormone untersucht werden, denn von Hypo- und Hyperthyreosen ist ein starker Einfluss auf die Psyche zu erwarten. Dennoch haben auch euthyreote Patienten oft psychische Probleme und eine reduzierte Lebensqualität (s. z. B. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11932302 ), so dass hier weiterer Forschungsbedarf besteht.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Psychiatrie

Gerade im Konsiliar- und Liasiondienst ist diese Feststellung eine häufige. Endokrinopathien (iB. NNR und Schilddrüsenhormone) haben eine enge Beziehung zur Psyche (sowohl Affekterkrankungen als auch Psychosen). Jedoch sind nicht nur diese psychoaktiv sondern insbesondere auch Autoimmunerkrankungen. Gerade die Hashimoto- oder die Ord-Thyreoiditis haben auch literarisch belegt eine hohe Koinzidenz und diese auch bei normaler Hormonlage. Dies liegt an der systemischen Entzündung und der psychoimmunologischen Wechselwirkung. Weiterhin muss hier eine Abklärung erfolgen, dass keine Immunpräzipitate mikrovaskuläre Folgen hatten, bzw. eine diffuse zerebrale Mitreaktion des Nervengewebes auf die systemische Entzündungsreaktion aufgetreten ist. Hier sind im Gegensatz zur akuten Hormondybalance weniger proportionale Störungen evident als unspezifische Symptome, die nicht selten im Bereich der exekutiven Funktionen, des Antriebs und anderen unspezifischen Entäußerungen verbleiben. Daher ist eine spezifische Diagnostik und eine gezielte syndromale Therapie in direkter Zusammenarbeit mit dem Endokrinologen sehr wichtig. Ziel ist der Erhalt der Teilhabe am Erwerbs- und gesellschaftlichen Leben. Abzugrenzen ist hier zudem eine psychische Auswirkung der Behandlung selbst.

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Allgemeinmedizin, Endokrinologie und Diabetologie, Allgemeine Psychiatrie,

Dem Beitrag wurde folgendes Schlagwort zugeordnet:
autoimmun-thyreoiditis

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letzte Änderung: 1.1.1970 1:00